„Tolle Effekte einfach per Knopfdruck! Jetzt können wir richtig schleifen.“

Manche nennen ihn Oberflächenpapst. Bereits vor 25 Jahren verlieh Alfons Wimmer Schnittholz eine antike Anmutung. Viele Effekte konnte er bisher nur mit aufwendiger Handarbeit erzielen. Seit Jahresbeginn nehmen ihm zwei neue Breitbandschleifmaschinen diese Arbeit ab.

Urig, aber auch mal glänzend.

RECHTS UND LINKS des Besuchereingangs zu Alfons Wimmers 25-Mann-Schreinrei im oberbayerischen Mühldorf lehnen unbehandelte, aber gebürstete und geschliffene Bretter am Türrahmen. Der Eingang öffnet sich nach Süden, sodass die Bretter nicht nur Regen, Wind und Sturm abbekommen, sondern auch die Sonne. Alfons Wimmer nimmt ein Brett, hält es hoch gegen das Licht und streichelt liebevoll darüber. Er freut sich über den natürlichen Teint und die wie gesandstrahlte Struktur des Lärchenholzes. Solche Oberflächen kommen bei seinen Kunden hervorragend an. Ich folge ihm nach innen und befinde mich im Empfangsraum. Die Möblierung und Einrichtung erinnert mich eher an ein Antiquitätengeschäft als an eine Schreinerausstellung. Auf Anrichten, Tischen, dem Empfangstresen und Fensterbänken liegen hier, ebenso wie in Alfons Wimmers Büro eine Unzahl an Holzmustern, Massivholz, furnierte Platten selbstgefertigte Dreischicht-Fußbodenelemente oder Rahmen-und-Füllungstüren. Die Oberflächen sind geschliffen, zart oder ganz kräftig strukturiert, gebeizt, patiniert, gewachst, geölt oder lackiert. Einige Muster weisen eine präzise plangeschliffene Oberfläche auf, andere eine leicht wellige, so als seien die Bretter von Hand gehobelt. Von urig über gediegen bis hochglänzend findet sich hier für jeden Geschmack etwas. »In Asien werden solche Effekte in Handarbeit erzeugt.«, erklärt Alfons Wimmer, » Wir können das wirtschaftlich nur mit der Maschine machen. Deshalb haben wir zum Jahresbeginn zwei neue Breitbandschleifmaschinen in Betrieb genommen.«

Die meisten Furniere schneidet Alfons Wimmer auf der eigenen Blockbandsäge. Normales gemessertes Furnier ist nämlich gedämpft und passt farblich nicht mehr zum Massivholz. Außerdem lassen sich die in der Regel 3 mm dicken Sägefurniere besonders tief strukturieren und sogar mit dem Schrupphobel bearbeiten. Geschrupphobeltes Holz lässt sich mit einer ganz seichten Hügellandschaft vergleichen. Diesen Effekt haben die Mitarbeiter bisher tatsächlich mit dem Schrupphobel von Hand erzeugt und die Fläche dann mit dem Exzenterschleifer geglättet. Auch den Sägeraueffekt haben sie mit echten Sägeschnitten an der Blockbandsäge erzeugt. Die alte Breitbandschleifmaschine konnte weder diese Effekte erzeugen, noch konnte sie so tief und vielseitig strukturieren wie sich Alfons Wimmer das vorgestellt hat. Zwei Jahre lang hat er sich intensiv mit der Auswahl einer neuen Breitbandmaschine beschäftigt und dann gleich zwei verschiedene bei Heesemann bestellt.

Eine fürs Grobe, eine fürs Feine

Die kleinere und einfachere, aber kräftigere »MFA 10« mit einer Kalibrier- und zwei Bürstwalzen nimmt er für das Grobe, das heißt Kalibrieren von Brettern und dem selbstgeschnittenen Furnier sowie schwere Strukturieraufgaben. Für die groben Kalibrierarbeiten hat die Kalibrierwalze eine feste Schnittgeschwindigkeit. Die große Strukturierbürste lässt sich dagegen stufenlos regulieren. Fürs Feine hat er ebenfalls bei Heesemann das Modell »MFA Impression« mit wassergekühlten Servomotoren bestellt. Diese Antriebe erlauben besonders niedrige Drehzahlen, sodass die Maschine nicht nur Holz, sondern auch Lack und Kunststoffe schleifen oder polieren kann. Auch Metalle lassen sich verarbeiten.

Wassergekühlte Aggregate

Als erstes Aggregat wählte Alfons Wimmer ein Querschleifband. Ihm folgt ein Kombi-Längsschleifaggregat mit Gliederdruckschuh. Die Schreinerei nutzt es für den Kontaktschliff von Massivholz, Furnier und Lack sowie zum Kalibrieren von Kunststoffen mit niedriger Drehzahl. Es folgen zwei Bürstaggregate. Das erste ist auf der linken Seite mit einer Edelstahllitzenbürste und auf der rechten Seite mit einer Zopfdrahtbürste bestückt, das zweite mit einer Andalonbürste. In der Regel läuft die zweite Bürste anders herum als die Erste, damit sie die losen Holzfasern entfernt. Über die Maschinenseite wählen die Mitarbeiter ob sie mit der härteren Bürste stärker strukturieren möchten oder mit der weicheren nur leicht. Weitere Parameter sind die Drehzahlen, die Drehrichtungen sowie der Andruck, der sich über die Höhe des Aggregates ergibt.

Das letzte Aggregat nennt sich RUT, das steht für Rotierende Umlaufende Tellerbürsten. Es besteht aus 19 Tellerbürsten, die sich quer zur Vorschubrichtung über die volle Schleifbreite von 1350 mm hinwegbewegen. Das Aggregat lässt sich mit Draht- oder Schleiflamellenbürsten bestücken und schleift oder strukturiert das komplette Werkstück gleichmäßig in verschiedene Richtungen aus, sodass wie beim Exzenterschleifer keine sichtbaren Schleifspuren zurückbleiben. Sind Vor- und Rückseite der Schleiflamellen mit verschiedenen Körnungen versehen, lässt sich über den Wechsel der Drehrichtung ohne das Werkzeug zu tauschen die Körnung auswählen.

Für den Schrupphobeleffekt nutzt die Maschinensteuerung einen Zufallsgenerator, der den Gliederdruckbalken ansteuert und einige Regionen der Oberfläche schleift und andere nicht. Zwischen Gliederdruckbalken und Schleifband befindet sich eine Stahlplatte mit speziell für dieses Verfahren segmentierter Graphitauflage.

Den Sägerau-Effekt erzielt Alfons Wimmer mit dem Querband mit extrem grober Körnung bei einer minimalen Schleifgeschwindigkeit.

Effekte ohne Ende

Alfons Wimmer fasst seine Erfahrungen mit den Maschinen zusammen: »Eine Maschine fürs Grobe und einen Tausendsassa für alles andere – dieses Konzept geht bei uns voll auf. Wir arbeiten seit Jahresanfang mit den Maschinen und haben bald 100 Programme erstellt. Alle Effekte lassen sich verstärken oder abschwächen und beliebig miteinander kombinieren. Meiner Kreativität und meinem Drang, immer wieder neue Oberflächen zu schaffen, sind damit jetzt keine Grenzen mehr gesetzt. Außerdem sparen wir natürlich viel Arbeitszeit ein, weil wir die Effekte nicht mehr manuell erzeugen müssen.«

Alfons Wimmer Innenausbau GmbH

84456 Mühlendorf,

www.schreinerei-wimmer.de